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Fakultät Kulturwissenschaften

Die Werkzeuge des Schreibens

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Symposium zum Thema: Werkzeuge des Schreibens.

Als die Dortmunder Gruppe 61 sich zusammenschloss, um nach ästhetischen Formen für die moderne Arbeitswelt zu suchen, war das Thema „Schreiben und Arbeit“ gesetzt. So ging es der Gruppe u. a. darum, die Wirklichkeit der Werktätigen (wieder) mit der Literatur ins Gespräch zu bringen. Aus Schraubern wurden Schreiber. Wegen ihres beruflichen Hintergrunds war für die Gruppe unmittelbar einleuchtend, dass für die Arbeit des Schreibens die Werkzeuge des Schreibens essentiell sind. Bleistift und Schreibmaschine gehörten zu den beliebtesten Produktionsmitteln, um symbolisch zum Ausdruck zu bringen, dass auch literarische Formen und Ideen materieller Instrumente und Beschreibstoffe bedürfen.

Der Gedanke war nicht neu, im Gegenteil. Gelegentlich findet er sich bereits in der antiken und mittelalterlichen Literatur. Allerdings führte erst die Epochenschwelle ‚um 1800‘ dazu, dass sich Autoren mehr und mehr für ihre Schreibwerkzeuge zu interessieren begannen. Der radikal beschleunigte Medienwandel im 19. und 20. Jahrhundert verschaffte der Materialität und der Prozessualität des Schreibens schließlich jene Aufmerksamkeit, die sie noch heute besitzt. In Bildungseinrichtungen, an Schulen und Universitäten, im Fernsehen und Internet, in Zeitungen und wissenschaftlichen Publikationen wird der Wandel der Schreibwerkzeuge (von der Schiefertafel zum iPad) intensiv diskutiert.

Die Kulturtechnikforschung hat dazu eine These entwickelt. Demnach ist das Werkzeug des Schreibens kein Objekt mehr, sondern Subjekt, Akteur oder Brücke eines an den Praktiken von Literatur und Philologie ausgerichteten Familienverhältnisses, in dessen Mitte Gesten, Körper und Instrumente stehen; und zwar unabhängig davon, ob es sich um abtragende (Meißel, Stichel oder Messer schlagen, drücken oder ‚ritzen‘ Schriftspuren in Fels, Stein, Metall, Knochen, Elfenbein, Holz, Rinden, Blätter, Ton oder Wachs; daher etymologisch das angelsächsische „to write“ vom urgermanischen wrītan für schreiben) oder auftragende Schreibwerkzeuge handelt (Pinsel, Rohrfeder, Kielfeder, Stahlfeder, Füllfederhalter, Kugelschreiber, Faserschreiber oder Filzstift; mit der Mechanisierung und Digitalisierung des Schreibens treten noch indirekt auftragende Schreibgeräte wie Schreibmaschinen und elektronische Drucker hinzu, von den Bildschirmen zu schweigen). Ganz im Sinne von Friedrich Nietzsches maschinenschriftlichem Diktum: „UNSER SCHREIBZEUG ARBEITET MIT AN UNSEREN GEDANKEN“.

Vor diesem Hintergrund möchte das Symposium die Aufmerksamkeit also auf die Werkzeuge der Literatur lenken, historisch und zukunftsorientiert. Für eine Gesellschaft, die auf Schrift und Schreiben gründet, ist damit ein Thema gefunden, das Akademie und Öffentlichkeit gleichermaßen betrifft und beschäftigt. Darüber hinaus findet das Thema seine besondere Resonanz in der Geschichte des Ruhrgebiets. Schließlich gehören der technologische Wandel, die Transformation der Arbeitswelt, der Zusammenstoß von Tradition und Moderne sowie die Herausforderungen der Arbeitswelt 2.0 zur DNA einer Region, die sich für Arbeit, Bildung und Kultur nicht bloß in der Vergangenheit, sondern auch für Gegenwart und Zukunft als Experimentierfeld erwiesen hat.

 

 

PROGRAMM
10.30 Uhr
Begrüßung
Martin Stingelin, Dortmund

10.45 Uhr
„Maren Kames‘ Halb Taube halb Pfau und der virtuelle Text“
Natalie Binczek, Bochum

11.45 Uhr
„Die Werkstatt der schreibenden Arbeiter? Die Schreibszene sozialisieren (2)!“
Stephan Kammer, München

12.45 Uhr
Pause

14.00 Uhr
„‚Schreibwerkzeuge in der skandinavischen Arbeiter(innen)literatur“
Klaus Müller-Wille, Zürich

15:00 Uhr
„Setzen Schreiben Gießbach“
Michael Niehaus, Hagen

16.00 Uhr
Pause

16.30 Uhr
Werkzeugmachen, west-östlich, mit Erika Runge und Ingo Schulze“
Cornelia Ortlieb, Berlin

17.30 Uhr
„‚Ich lese, streiche Sätze, streiche Butter auf Knäckebrot.‘ Tätigkeiten in Margrit Schribers frühen Romanen“
Hubert Thüring, Basel

18.30 Uhr
Ende des Symposiums

 

 

ZEIT UND ORT
Samstag, 28.03.2026

Dortmunder U
Hochschuletage/Campus Stadt
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund
T 0231 24723
info@dortmunder-u.de
dortmunder-u.de

 


VERANSTALTER
Technische Universität Dortmund
Fakultät Kulturwissenschaften
Professur für Neuere deutsche Literatur von 1750 bis zur Gegenwart mit einem Schwerpunkt in der kulturwissenschaftlich akzentuierten Literaturtheorie
Prof. Dr. Martin Stingelin
Emil-Figge-Str. 50
44227 Dortmund

 


KONTAKT
tobias.lachmann@tu-dortmund.de
claas.morgenroth@tu-dortmund.de

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